Donnerstag, 26. Juni 2014

Lesung „Weit weg und ganz nah“ von Jojo Moyes

Wie alles begann:
Eine liebe Bloggerfreundin wies mich auf das Gewinnspiel von werliestwannwo hin, da sie wusste, dass ich Berlinerin bin. Natürlich habe ich sofort an meine liebe Freundin Iris gedacht und sie genötigt, auch bei diesem Gewinnspiel mitzumachen.

Das war Montag, die Lesung fand Donnerstag statt und am Mittwoch, gegen 22:00 Uhr, erhielten wir beide eine E-Mail, dass wir gewonnen hätten. Große Freude, denn zu den Karten gehörte auch ein Buchgewinn. Sofort wurde noch in der Mittwochnacht hektisch telefoniert und sich für den nächsten Tag verabredet. Vorfreude pur.

Auf dem Weg
Iris hat mich im Büro abgeholt und wir sind dann, relativ rechtzeitig *grins*, Richtung Alex gefahren und wollten noch etwas essen gehen. Wir hatten uns längere Zeit nicht gesehen und viel zu erzählen… und es kam wie es kommen musste, über Tortellini und … taddaaaaaa … SCHNITZEL…


haben wir uns natürlich verquatscht. Nebenbei hektisch nach dem Weg zum Veranstaltungsort, dem Kino Babylon, gegoogelt, das sollte ja dort gleich um die Ecke sein.

Schnell bezahlt und losgestürzt… und was soll ich euch sagen, natürlich in die völlig entgegengesetzte Richtung! Am Hackschen Markt war uns dann beiden klar, dass wir wohl die richtige Straße, aber in die falsche Richtung gelaufen sind.
Also… spontan ein Taxi geentert, denn – also nach meinem Hibbelgefühl – war es schon supersuperknapp, sozusagen 5 vor 20:00 Uhr. Ich möchte nicht wissen, was der Taxifahrer gedacht hat, als wir ihn um eine Fahrt von ca. 800m gebeten haben… aber ehrlich, ich war so aufgeregt, dass mir das völlig egal war. Iris war die ganze Zeit lächelnd und liebevoll beruhigend an meiner Seite. Was sie gedacht hat, das

möchte ich - glaub ich - auch gar nicht wissen
 



Jedenfalls, völlig hektisch am Babylon angekommen, haben wir uns erst einmal umärmelt und verschnauft, Iris hat die Karten organisiert während ich eine Beruhigungsziggi geraucht habe, und dann gabs für jeden ein Glas Wein.
 

Vielen Dank an Christina von werliestwannwo und den Rowohlt-Verlag, es war wunderbar organisiert, Karten und Bücher lagen bereit und wir wurden auch prompt auf der Gästeliste gefunden.


Es geht loohoooooooos…
Bewaffnet mit Buch und Wein gingen wir dann also in den schönen Hauptsaal des wunderbaren alten Kinos. Der Saal war zur guten Hälfte gefüllt mit überwiegend weiblichen Zuhörerinnen, aber auch einige Männer waren dabei. Eine Klavierspielerin unterhielt uns, bis der Veranstalter dann die Lesung offiziell eröffnete.


Mit fröhlichen Worten begrüßte er uns Mädels und die Herren, „die sich fußballfrei genommen haben“. Die Bücher von Jojo Moyes beschrieb er mit den launigen und sympathischen Worten: „ … beinhalten keine erotischen Überinformationen…“.
Das muss ich mir merken…

Schon während der Begrüßung wurde im Saal viel gelacht und mit einem herzlichen Applaus wurde er von uns verabschiedet.


Und dann kamen sie endlich. Vorne weg die Moderatorin des Abends, die Journalistin Shelly Kupferberg, danach Jojo Moyes und zuletzt Luisa Helm, eine Schauspielerin, die die Synchronstimme von Scarlett Johansson ist und alle drei bisher erschienenen Bücher von Jojo Moyes als Hörbuch eingelesen hat.
 
Jojo Moyes hat eine wunderbar sympathische und freundliche, zugewandte Ausstrahlung. Ihre Stimme ist leise und zart, außer sie liest, dann klingt sie ganz anders.
Die Lesung begann mit einer Einführung der Moderatorin, die uns alle sehr herzlich begrüßte und ein wenig zum Inhalt des Buches erzählte. Die Moderatorin hatte sich wirklich gut vorbereitet. Der Veranstalter hatte uns in seiner Begrüßung schon erzählt, dass die Filmrechte zu „Ein ganzes halbes Jahr“ an MGM verkauft sind.  

Juchuuuuuuuuuuu… es wird einen Film zum Buch geben, ich freu mich und hoffe, er wird ähnlich gut wie die Verfilmung von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.

Jedenfalls war das dann auch die erste Frage an Jojo Moyes: ob sie wisse, wann der Film fertig sein würde. 





Das kann Jojo Moyes nicht einschätzen, sie hat zwei verschiedene Drehbücher geschrieben, es gibt schon einen Regisseur und das Casting läuft bereits, aber… wie sagte sie mit einem Lächeln: “Hollywood ist schwierig, jeder hat eine Meinung.“
Wir können wohl einfach nur abwarten... und uns vor-freuen.



„Wie schreibst du?“, lautete die nächste Frage, also sinngemäß. Die Moderatorin erzählte in Deutsch über ihre Frage und stellte sie dann natürlich in Englisch noch einmal. Das war wunderbar gelöst, viele haben schon die englischen Antworten verstanden, ich empfand es aber als sehr angenehm, dass diese auch noch einmal ins Deutsche übersetzt wurden.

Jojo Moyes schreibt und hat dabei schon den Film im Kopf. Manchmal legt sie sich dabei im Büro auf den Boden, oft ist sie dabei schon eingeschlafen. Sie ginge immer filmisch an ihre Bücher ran, sagte sie. Da verwundert es nicht, dass sie, als sie in den MGM-Studios war und in einem Büro voller Oskars kam, sofort Fotos machen musste, wie ein Touri. Das erzählte uns Jojo Moyes so und lachte herzlich dabei.
Sie war ganz aufgeregt, da im Studio… und dann sagte der Manager auch noch: “Komm, lass uns den Film machen!“

Jojo Moyes liest nun in Englisch aus ihrem Buch. (Übrigens finde ich das englische grüne Cover voll hässlich, unser deutsches Cover ist viel schöner!). Wie schon erwähnt, Jojo Moyes hat eine wirklich angenehme Stimme, die sich beim Lesen aber verändert. 


Nach Jojo Moyes erzählt die Moderatorin noch etwas über den Inhalt des Buches und dann liest Luise Helm, wir waren begeistert von dieser wunderbaren Stimme und ihrer Art des Vorlesens. Da würde sogar ich mir ein Hörbuch kaufen und ich überlege ernsthaft, ob ich mir „Ein ganzes halbes Jahr“ als Hörbuch ins Auto lege. Ich kann sie euch wirklich sehr empfehlen! 

Danach wurde wieder ein wenig gefragt und geplaudert. Den Inhalt des Interviews kann man hier auf der Verlagsseite vom Rowohlt-Verlag  nachlesen, die Moderatorin hat sich wohl an den hier gestellten Fragen orientiert.

Die Idee für „Weit weg und ganz nah“ ist eine Kombination aus mehreren Ideen. Sie wollte schon immer mal über einen Road Trip schreiben, weil sie selbst Filme darüber sehr liebt. Und sie beobachtet auch in ihrem Land, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer breiter wird und sich die Menschen aus den verschiedenen Schichten immer seltener begegnen. In „Weit weg und ganz nah“ sind sozusagen „2 Welten auf engstem Raum vereint“.

Wichtig waren mir noch folgende Aussagen:

- sie orientiert sich bei ihren Protagonisten nicht an lebenden und ihr bekannten Personen. Zitat: “wenn man Freunde im Buch in Liebesdingen involviert, dann kommt das meistens nicht gut.“

- die Hauptpropagandistin Jess war ein ganz wichtiger Charakter für sie und für das Buch. Jojo Moyes sieht sich selbst als Feministin. Die weibliche Hauptperson in ihrem Buch sollte ein positiv besetzter Charakter sein und eine Mutter mit einem guten Verhältnis zu ihren pubertären Kindern. Insgesamt soll das eine Message sein, insbesondere an ihre 16jährige Tochter, aus der man lernen kann. Das war ihr auch wichtig, weil sie beobachtet hat, dass es mehr gute Beziehungen zwischen Müttern und Pubertären gibt, als gedacht.

- zum Thema Business recherchierte sie, als ehemalige Journalistin, intensiv und konnte sich dabei auch auf das Wissen ihres Mannes stützen, der ebenfalls Journalist ist, in der „technischen Welt“.

- sie selbst ist miserabel in Mathematik, das sagte sie selbst so und wieder mit diesem herzlichen Schmunzeln im Gesicht. Sie hat drei Kinder, zwei davon sind mathematisch begabt, und sie musste immer den Vater dazu holen, damit der ihr und den Kindern helfen konnte, die von Jojo Moyes gestellten Aufgaben zu lösen. Ja, großes Kichern im Saal, da denkt sie sich also Matheaufgaben aus, die sie dann selbst nicht lösen kann… 


- sie wollte ein Buch über Teenager schreiben, weil die eben auch nett sein können. Sie selbst hat eine Teenie-Tochter, und die klauen bekanntlich gern Klamotten der Mutter und so müsse sie schreiben, um neue Sachen für sich kaufen zu können. Auch das erzählte sie wieder mit ihrem herzlichen Lachen und bei der Passage, dass ihre Kinder nett seien, klopfte sie symbolisch auf die Holzlehne ihres Stuhles.
Psssst… sie selbst sei eine schlimme Teenie-Tochter gewesen, verriet sie uns schmunzelnd.

- Jojo Moyes ist in einer schlimmen Gegend von London aufgewachsen, sie nannte es „taffer Bezirk“, was sie sehr geprägt hat. Selbst nachdem sie mit 30 aufs Land gezogen ist, hat sie immer noch den Hausschlüssel fest umkrallt in der Hand und hat sich immer noch oft ängstlich umgesehen. Inzwischen geht’s…

Dann wird wieder etwas vorgelesen, Luise Helm liest. Jojo Moyes liest scheinbar synchron in ihrem englischen Exemplar mit und lacht an den gleichen Stellen wie wir.
Anschließend lobt sie die Vorleserin und sagt, dass sie anhand der Intonation der Vorleserin auch ohne Deutschkenntnisse immer genau wusste, welche Stelle gerade gelesen wurde.
Ich muss das auch noch einmal ganz deutlich sagen: Luise Helm hat das ganz hervorragend gemacht!!!

Humor ist für Jojo Moyes sehr wichtig, und von ihren bisher 11 (!!!) geschriebenen Büchern sind 6-7 ohne Witz. Sie hat gelernt, dass umso mehr Humor ins Buch muss, umso schwärzer das Thema ist. Hierbei verwies sie auf „Ein ganzes halbes Jahr“.
Lachen sei wichtig, genauso wie Weinen, so sagte sie.


Von den 11 schon geschriebenen Büchern sind bisher 3 übersetzt, nächstes Jahr erscheint ein Buch, das abwechselnd im 1. Weltkrieg und im Heute spielt. Das nächste sei dann ähnlich wie „Weit weg und ganz nah“ geplant, da sie aber abergläubisch sei möchte sie darüber noch nichts weiter sagen, „falls es nichts wird“.
 

Die Lesung endete viel zu schnell und mit einem herzlichen langen Applaus für alle Beteiligten. Die 90 Minuten waren wie im Fluge vergangen.
Wir zogen dann zum Signieren in einen Nebenraum um, da der Kinosaal für die Männer geräumt werden musste, denen auf der großen Leinwand dann Fußball gezeigt wurde.

Nach der Lesung
Vor dem Signierzimmer bildete sich eine lange Schlange aufgeregter und glücklich grinsender Mädels (und vereinzelter Männer, aber wirklich vereinzelt). Teilweise hatten die Mädels alle drei Bücher in der Hand, man konnte aber auch alle Werke inklusive Hörbücher vor Ort erwerben.
Immer fröhlich lächelnd und geduldig erfüllte Jojo Moyes alle Signaturwünsche und auch wir hatten das Vergnügen. Also Iris, denn ich war ja als „Karla Kolumna, die rasende Reporterin“, unterwegs.







Ein wunderbarer Abend, rundum, also mal abgesehen von unserer eigenen Dummheit, weil wir uns im Kreis von 1500m echt verlaufen hatten…

Und einem Erlebnis auf dem Weg zum Bahnhof: 

In Berlin ist es die neueste Falle für Touristen, dass sie von Familien oder mehreren Personen angesprochen und nach dem Weg gefragt werden. Dabei lenkt einer den Touri ab und der andere beklaut ihn, ganz schlimm… die Kinder sind voll mit dabei. So ein Paar mit zwei Kindern im Alter zwischen 7 und 8 sprach auch uns an und fragte nach dem Weg zum Alexanderplatz. Blöd nur für die, dass wir tatsächlich schon auf dem Alex standen und ich die betrügerische Masche kannte. Meine liebe Iris wollte natürlich gern helfen und erklären, da hab ich mir sie und ihre Handtasche aber fix geschnappt und weitergezerrt. Und ausgeschimpft… also ganz liebevoll.

Liebe Berliner und Berlinbesucher, passt bitte ganz besonders an großen öffentlichen Plätzen auf eure Wertsachen und Taschen auf. Tasche immer am Mann (oder der Frau), Reißverschlüsse nach innen, Hand auf die Tasche.
Lasst euch nicht ansprechen, nehmt keine Bonbons von fremden Leuten und geht mit niemandem mit! Nein, Spaß beiseite, passt gut auf euch auf!


Danke an Iris und werliestwannwo für diesen wunderbaren Abend! ♥

Kommentare:

  1. Hey Claudi,

    ach das war ja ein toller Abend für euch. Ich freu mich sehr, dass ihr so viel Spaß hattet, mal von dem kleinen Umweg abgesehen. :-)

    Lg Mel

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  2. Hallo Schnecki,

    *ich grinse über beide Ohren und wäre so gerne dabei gewesen*. Vielleicht habe ich Iris deshalb so entgeistert unter der Weltuhr angeschaut. Als Story-Pics würde ich mir für deine Story Babylon wünschen ♥. Ich habe alle Bücher von Jojo Moyes gehört und jetzt weißt du auch warum :-). Ach es muss einfach herrlich gewesen sein und ich sehr euch beiden Mäuse mit den glänzenden Augen direkt vor mir.

    Knutschaaaa

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  3. Wunderschön geschrieben..bildlich war ich voll dabei ;-)

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  4. Hallo Claudia,
    ein wirklich Wahnsinns-Bericht. Hätte nicht gedacht, das man so viel über einen schönen Tag berichten kann. :)
    Gott sei Dank seit iIhr wieder heil zu Hause.
    Ich persönlich finde es nicht so prickelnd, wenn Autoren schon beim Schreiben des Buches eine spätere Verfilmung im Sinn haben.
    LG Timm

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  5. Was für ein Abend und was für ein Bericht! Du bist ja superfleißig und sehr gründlich.
    @Sandra: Nun weiß ich, dass du mich bei unserer ersten Begegnung vermutlich für einen Straßenräuber gehalten hast. Sei froh, dass Claudia mich kannte, sonst hätte sie dich an deiner Handtasche aus meiner Reichweite geschleift. Sie hat so schön auf mich aufgepasst wie ich auf sie, als sie am Anfang so gestresst war. Und Claudia: Der Taxifahrer fand uns MINDESTENS seltsam - mich vermutlich oberzickig. Und gedacht habe ich einfach nur, dass wir Zeit haben und alles gut wird. Hauptsache, du springst nicht vor Aufregung vor die Straßenbahn oder ein Auto. Da hätte ich dann an dir gezerrt.

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  6. Das klingt nach einem rundum gelungenen Abend!!!

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