Sonntag, 9. Februar 2014

ICH BLOGG DICH WEG - Agnes Hammer


Im Rahmen einer Wanderbuchaktion auf Schattenwege durfte ich „Ich blogg dich weg“ lesen. 
 
Vielen Dank auch dem Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ich hatte ein „erwachseneres“ Buch erwartet, kein Jugendbuch. Der Titel hat mich irritiert und ich finde ihn nicht ganz passend, denn es geht gar nicht um eine Bloggerin. Ganz bewusst hatte ich, als ich von der Wanderbuchaktion erfuhr, nichts mehr zu oder über das Buch gelesen, ganz besonders keine Rezensionen.

Mich hat das Buch sehr berührt und an meine Jugend erinnert. Wieder einmal war ich froh, zu einer Zeit jung gewesen zu sein, in der es noch keine Computer und die dazugehörigen sozialen Plattformen gab. Ich habe Mobbing erlebt, obwohl es damals den Begriff noch nicht gab.

Über den Inhalt des Buches muss ich nichts schreiben, denke ich. Mir hat gut gefallen, dass es aus der Sicht mehrerer Protagonisten geschrieben wurde, und man so jeden ein wenig kennenlernen konnte. In meinen Augen ZU wenig, aber das lag vielleicht auch an der Kürze des Buches. In meinen Augen konnte so vieles nur „angekratzt“ werden und mir fehlte manchmal etwas Tiefe.

Auch gab es meiner Meinung nach viel zu viele Klischees (Lisa, Gothik-Tochter einer Säufermutter, eifersüchtige beste Freundin der überaus beliebten, talentierten und hübschen Hauptdarstellerin) und über die Fake-Profil-Sache bei Facebook konnte ich mich nur wundern. Niemals hätte das bei solch einem beliebten Mädchen funktioniert, das wäre gemeldet worden.

Was ich beklemmend mitempfunden habe und ganz schrecklich für mich war, waren die Gefühle zu den Droh-Emails. Dieses Gefühl, einen „Stüpp“ auf dem Rücken zu haben… mir blieb bei Lesen fast die Luft weg. Ich kann mich erinnern, dass ich mich damals zuhause sicher fühlte, egal wie schlimm es in der Schule war, aber selbst das kann Julie nicht. Ich stell mir das sehr schlimm vor.
Das Gefühl, sich zu schämen und dass man an seinem Selbstbewusstsein zweifelt, kenne ich auch. Ich habe mich dann in Büchern vergraben und ich konnte erst mit meiner Mutter sprechen, als es wirklich nicht mehr auszuhalten war. Ich hätte mich eher anvertrauen sollen.
Ich war auch kein schüchternes Mädchen, oder hässlich oder anders. Deswegen wundert es mich nicht, dass es ein Mädchen wie Julie treffen konnte, denn der Hauptgrund für Mobbing ist in meinen Augen Neid. 

Zum Glück bin ich erwachsen und ich beobachte mit Schrecken, welche Macht das Internet über unsere Kinder hat. Und welche Ausmaße es annimmt und was für schreckliche Folgen es nach sich zieht. Für mich ein Gesellschaftsproblem und aus diesem Grund meine ich, dass dieses Buch von jungen Jugendlichen gelesen werden sollte. Sicher werden sich die fiesen gemeinen Mobber davon nicht beeinflussen lassen, aber vielleicht erreicht man noch einen Jugendlichen vor der Wandlung zum Mobber. Und man darf keinesfalls die Macht des Internets unterschätzen, aber das ist ,glaube und hoffe ich, in allen Köpfen inzwischen angekommen. 

Danke, dass ich mitlesen durfte.
Claudia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen