Sonntag, 9. Februar 2014

Die Goldatmerin von Susanne Markgraf

Zum Inhalt (Quelle: Amazon)
©Verlagshaus el Gato, Amazon

Lisa Lehmann, 13 Jahre alt, ist alles in allem ein ziemlich pfiffiges Mädchen. Allerdings: Lisa tickt nicht richtig. Deshalb geht sie jede Woche zu Frau Dr. Freudensprung, die nicht nur Psychologin, sondern darüber hinaus auch Farbmagierin und Hüterin eines ganz besonderen Tores ist. Bald wird klar, warum Lisa nicht richtig tickt: Es hat etwas mit dem Vater zu tun. „Lisa … komm … lass mich das machen … „ So lockt Lisas Schattenschwester Lena sie an fremde, geheimnisvolle Orte, sobald der Vater auf der Bildfläche erscheint. Immer stärker wird Lisas Drang, zu erfahren, was es mit dem Vater auf sich hat. Mit der Hilfe von Frau Doktor Freudensprung, dicht gefolgt von den Völkern der Do’inoboroì und der Di’erabinaì sowie den Wiesenleuten, gelangt Lisa endlich an das Tor der Tore, hinter dem sich der Abgrund der vollkommenen Erinnerung befindet. Gut, dass Lisa in die Geheimnisse des Goldatmens eingeweiht wird, denn nur dank dieser speziellen Farbmagie wird sie am Ende ihrer Suche eine erstaunliche Entdeckung machen ...


Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde bei LovelyBooks lesen, vielen Dank der Autorin und dem Verlagshaus el Gato. Das Buch interessierte mich thematisch, allerdings haben mich die Fantasygestalten zögern lassen. Gut, dass ich nicht zu lange zögerte und mich beworben habe. Und mitlesen durfte.

Total berührt und mit Tränen in den Augen, aber auch einigermaßen verwirrt, habe ich das Buch beendet. So ganz wirklich wird man die fantasievollen Zusammenhänge erst beim zweiten Lesen verstehen und auch die vielen unterschiedlichen Personen besser zuordnen können. Es waren mir persönlich zu viele.

Zauberhaft beschrieben ist die Fantasiewelt, in der Lisa lebt, weil sie das, was ihr als Lena geschieht, verdrängt. Teilweise hatte ich beim Lesen farbenprächtige, leuchtende und wunderschöne, warme Bilder dieser Welt im Kopf.

Gold atmen. Die Autorin hat es geschafft, dass ich, der so ziemlich fantasieloseste Leser, mir genau vorstellen konnte, wie es sich anfühlt. Für mich wie der erste Atemzug, wenn man nach dem Tauchen wieder an die frische warme Luft kommt. Oder der tiefe Atemzug, wenn man an einem eisig kalten Tag nach Hause in die warme kuschelige Wohnung kommt. Zuhause ist hier ein wichtiges Wort, für mich fühlte sich dank des wundervollen Schreibstils der Autorin die Fantasiewelt wie Lisas wirkliches Zuhause an.


Von der schwerwiegendsten all ihrer Pflichten befreit, bewegte sie sich leicht wie eine Feder
(Zitat, Seite 65/Mutterfrau lässt Lisa im Krankenhaus)

Dieses Zitat lässt hoffen, dass die durch Tabletten und Resignation abgestumpfte Mutterfrau vielleicht doch noch so etwas wie ein klitzekleines Gewissen hatte. Auch wenn sie selbst Opfer war, verdammt, sie hatte die Verantwortung für ihre To(ö)chter! Das macht mich sprachlos und wütend.

Der Sprachstil der Autorin hat mich total in seinen Bann gezogen. Ich hatte mich auf ein schweres Buch eingestellt und daran gedacht, Taschentücher bereit zu legen. Ich brauchte sie erst auf der allerletzten Seite, denn bis dahin verpackte die Autorin die Schwere dieses Buches in farbenfrohe fantasievolle Leichtigkeit, durchzogen von kurzen prägnanten realistischen Passagen, die das Ausmaß der Widerwärtigkeiten schonungslos darstellen. Unmittelbar auf diese schrecklichen realen Dinge gelangte man sofort wieder in die farbenfroh und warm dargestellte Fantasiewelt, die das eben gelesene Schreckliche nicht vergessen lässt, aber ablenkt und mildert.

Mich hat die Geschichte an sich sehr berührt und ich habe allergrößte Hochachtung vor der Autorin, die es geschafft hat, ihre furchtbare Kindheit mit so eindringlichen, aber auch leichten Worten zu beschreiben und zu verarbeiten. Vergessen ist unmöglich. Vergeben könnte ich persönlich niemals. Für Frau Markgraf was das offensichtlich der richtige Weg. Ihr fröhliches Lachen auf dem Foto steckt an und ich wünsche Frau Markgraf von ganzem Herzen, dass es tief in ihrem Herzen verankert ist.

Mein Fazit:
Ein wichtiges Buch. Ein gutes Buch voller wunderbarer Worte und voller Hoffnung. Ohne Frage. Der Schreibstil und die Wortkreationen sind wunderschön. Ab und zu stoppt ein Komma an der falschen Stelle den Lesefluss und es fehlte auch mal ein ganzes Wort. Mir persönlich waren es zu viele Personen, die Übergänge von Person zu Person oder in der Fantasiewelt teilweise nicht gleich zu verstehen. Fantasy ist einfach nicht mein Genre, auch nicht teilweise, da das aber mein persönliches Ding ist, wird es sich nicht auf meine unbedingte Leseempfehlung auswirken. Bei der Entscheidung für dieses Buch sollte man sich aber dessen bewusst sein und Fantasy zumindest überwiegend mögen.

                    Von mir für die wunderschönen Worte

                                     5 von 5 Hintern




 

Über die Autorin (Quelle: Amazon):

Susanne Markgraf, geboren 1962 in Leverkusen, schreibt seit ihrer Kindheit mit Leidenschaft. Kein Einkaufszettel ist vor ihr sicher, und notfalls dichtet sie auch in der U-Bahn. Nach mehreren Veröffentlichungen von Gedichten und Kurzgeschichten in Anthologien gibt sie mit "Die Goldatmerin" ihr Debüt als Romanautorin. Susanne Markgraf ist Mutter einer erwachsenen Tochter und lebt heute mit ihrem Lebensgefährten und zwei Hunden in Nürnberg.

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